Helmut Meisl Privathomepage
 

Fachbeitrag

In der Juli/August Sondernummer 2004 der Fachzeitschrift TGA wurde ein 2-seitiger Beitrag über meine Broschüre veröffentlicht.





Ganzheitliches Solarkonzept für den Wohnbau
Soll die Investition in thermische Solarenergie kein Alibi bleiben, sondern tatsächlich Energie einsparen und den Kunden nützen, genügt es nicht, einfach ein paar Sonnenkollektoren aufs Dach zu setzen. Für eine erfolgreiche Nutzung der kostenlosen Energie vom Himmel ist es unverzichtbar, einen ganzheitlichen Ansatz zu beachten. Dabei ist den Bereichen Kunde, Technik und Betriebsführung Aufmerksamkeit zuzuwenden.

Störfaktor Kunde
Techniker es gewohnt, Normen und Vorschriften als absolute Wahrheit zu betrachten. Dabei geht oft der Blick auf jene verloren, für die der ganze Aufwand eigentlich getrieben wird: die Kunden. Um hier den Blick zu schärfen ist es hilfreich, Anlagen nicht nur zu planen und zu bauen, sondern mit ihnen auch "leben" zu müssen. Erst dann werden einige Probleme der Normen deutlich: Es gibt keine Normmenschen und deshalb auch keine Normraumtemperatur, Normabsenkzeit und einheitliche Beurteilung der "richtigen" Heizkörpertemperatur. Wer 70 Jahre alt ist, dem genügen keine 20°C, wen Schichtarbeiter ist, will in seiner "Freizeit" in der Nacht keine kalte Wohnung. Ob ein Heizkörper ausreichend warm ist, entscheidet der Kunde subjektiv (eine Metalloberfläche unter Körpertemperatur ist immer "kalt") und nicht aufgrund einer Messung der tatsächlichen Raumtemperatur. Warum aber baut man dann immer noch Anlagen so, als gäbe es den "Störfaktor Kunde" nicht?

Anforderungen der Technik
Vielfältig sind die technischen Vorgaben, soll Integration von Solarenergie funktionieren. Die perfekte Energieverteilung ist eine der wichtigsten Forderungen, die mit mehr oder weniger eingestellten Strangregulierarmaturen nicht erfüllt werden kann. Systeme mit stark schwankenden Lasten sind im Wohnbereich die Regel und diese erfordern einen sauberen hydraulischen Abgleich unter allen Betriebszuständen. Möglich ist dies ausschliesslich durch den Einsatz von (richtig eingestellten) Differenzdruckreglern.
Der Solarertrag hängt primär von der Rücklauftemperatur zum Kollektor ab. Daraus resultiert zwingend die Forderung nach einer tiefen Rücklauftemperatur.
Kollektoren können teuer aufgeständert oder sinnvoll und sparsam in ein Dach integriert werden. Es können teure und komplizierte Pufferschaltungen geplant werden, es gibt aber auch die Möglichkeit, die Speicherung ideal mit nur einem Puffer zu lösen. Beide Forderungen sind ohne dem planenden Architekten nicht zu lösen, wie überhaupt die Architekten der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit sind und keineswegs die Planer der Haustechnik.
Die Integration der Raumheizung in die Solarenergienutzung sollte heute eine Selbstverständlichkeit sein und auch die Forderung nach einer hinsichtlich Legionellenproblematik sicheren Warmwasserbereitung kann nicht mehr übersehen werden.

Der Salzburger Lösungsansatz
Die gemeinnützige Salzburger Wohnbaugesellschaft (gswb) setzt seit 1997 konsequent auf das System der "Fernwärmethermen". Dieses System erfüllt alle vorgenannten Forderungen: Hygienische Warmwasserbereitung, volle Freiheit in der Beheizung und Warmwasserbereitung für den Kunden, einfachste Technik in den versorgten Gebäuden und optimale Nutzung der Solarenergie. All dies selbstverständlich unter den Vorgaben der Wirtschaftlichkeit (Kostenlimit der Wohnbauförderung) und kombinierbar mit jedem Energieträger.

Technik braucht Kontrolle
Jegliche Haustechnik braucht Kontrolle, so auch Haustechnik mit integrierter Solarenergie. Beim System mit Fernwärmethermen ist diese Kontrolle denkbar einfach: Die Netzrücklauftemperatur darf nicht höher als 40°C (Sommer) bzw. 35°C (Winter) sein, der Solarertrag (erfordert Wärmemengenzähler) muss pro Jahr mindestens 350 kWh/m² betragen und ist sinnvollerweise wöchentlich zu kontrollieren. Diese beiden sehr einfachen Parameter sind auch von technisch nicht so versierten Anlagenbetreuern sehr leicht überprüfbar. Wer dann noch den Mut hat, die Ertragskontrolle öffentlich ins Internet zu stellen, bekommt als Zugabe einen sehr „gesunden“ Wettbewerb der Anlagenerrichter und Betreiber.
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